BMW R 1200 gsX .... by Boris Baum

Das X wird heutzutage gerne als Synonym bei Produkten für etwas Außergewöhnliches, Abenteuer und außerhalb der Norm verwendet. So war es auch bei mir, als mein 2017er Winterprojekt langsam Formen annahm.

Wie alles begann. Meine persönliche Motorradhistorie lasse ich jetzt mal außen vor, sie ist sicher etwas umfangreicher als bei der Mehrzahl der heutigen Biker aber auch nicht einzigartig.

Im Spätherbst 2017 ereignete es sich, dass mich mein befreundeter Automechaniker nach dem Marktwert einer 2008er MÜ GS mit Öhlinsfahrwerk, Koffern, Speichenräder, ohne ABS und gutem Allgemeinzustand fragte.  Meine Schätzung lag bei ca. € 8 Mille.

Auf Nachfrage warum er das wissen möchte, sagte er mir, dass einer seiner Kunden seine Rechnungen nicht zahlen könne und ihm die GS stattdessen für € 5.000,- Verrechnungssumme anbot! Aber er wusste nichts mit einem Motorrad anzufangen…

Die folgenden 3 Tage rauchte es gewaltig in meinem Stirnlappen und es war nicht das Feierabendbier welches mir Kopfzerbrechen machte.

Schon die letzten 6 Monate spann ich rum und schaute mich nach einem Offroad tauglichem Bigbike um…

Husqvarna Nuda by Zupin 900RR (14Mille)

BMW HP2 Enduro (16Mille)

BMW F800GS (10Mille) inkl. Umbauteilen

KTM Superenduro (10Mille)

 

Das waren die üblichen Verdächtigen von der Stange. Und damit allesamt zu teuer für mein 6tes Bike in der Garage.

Die aktuelle Situation war also folgende: Ich hatte einen Trialer (Beta Evo290) den ich nicht wirklich nutzte, ein paar Fotos auf Fazebook von einer GSADV ohne Telelever und eine positive Kalkulation nach diversen Teile-und Dachbodenverkäufen.

Gott brauchte 7 Tage, ich 3 um mich zu entscheiden. Das Bauchgefühl hat auch gepasst und somit holte ich mir die GS Nachhause.

 

Von der Garage des Verkäufers ging es dann auch direkt in meine und das Zerlegen begann noch am selben Tag

Das Lastenheft hatte folgende Parameter:

Weg mit allem was offroad unnötig ist und alles andere in einem gewissen finanziellen Rahmen zum positiven modifizieren. Größte Baustelle ein neuer Hauptrahmen mit konventioneller Telegabelführung alla HP2.

Diesen fand ich in Spanien bei http://www.bmw-rally-parts.com/

Gleiche Rahmengeometrie wie das Original mit verstärktem Lenkkopfrohr zur Aufnahme einer konventionellen KTM Gabelbrücke.

90% aller nicht benötigten Teile nahm mir https://www.motorrad-schaeufele.de/ ab zur weiteren Veräußerung.

Mit jedem Teileverkauf aus der Garage oder Dachboden, wurden nach und nach neue oder gebrauchte Teile besorgt.

 

 

Die folgenden 6 Monate bestanden aus Internetrecherche, Teilesuche, putzen, polieren, lackieren, schrauben.

Da es kaum Erfahrungswerte zu solch einem Projekt im Netz gibt, ergaben sich natürlich nach und nach kleine Unstimmigkeiten.

Z.B. ist der Lenkeinschlag etwas geringer als beim Original

Das 18 Zoll Hinterrad (orig. 17) streift am hintern Federbeinschutz (3x 4cm rausgeflext und von hinten einen Gummilappen auf genietet)

Der AC-Schnitzer Racingkrümmer ohne Kat hat dann doch einen anderen Anschlussdurchmesser als der Titan LeoVince Auspuff! Für € 40,- drehte mir ein Freund eine passende Adapterbuchse aus einem vollen Messingblock.

 

Ebenso hat er mir den Seitenständer verlängert, das die GSX ja nun doch höher steht mit neuen Federraten und Rädern ähnlich einer KTM EXC

Der Seitenständer musste dafür natürlich ausgebaut werden, was sich anfangs so simpel anhört, war dann doch ein größerer Kampf mit schwerem Gerät. Zwischen Rahmenaufnahme und Seitenständer ist eine Stahlbuchse die sich nach Jahren unter der Last der GS leicht verformt hat und somit nicht mehr aus dem Montageloch rausgeht! Ausbohren war die einzige Möglichkeit. Das sagt einem kein Wartungshandbuch!!!

Gemäß dem Motto: Leistung ist nur durch noch mehr Leistung zu ersetzen

konnte ich einen Power-Commander mit Auto-Tune günstig ersteigern. Ein vorerst passendes Mapping ließ sich in den Weiten des Internets auch noch finden, welches gefühlt auch gut funzt. Eine Prüfstandsmessung  und Abstimmung ist auf Sardinien leider nicht möglich. Aber da im Winter die Airbox 2 offenen K&N Filtern weichen wird, muss die GSX eh irgendwann einmal nach D zu einem Mapping-Guru  

Momentan gehe ich von 110PS aus! (+5) Leistungskrümmer ohne Kat, Auspuff offen, K&N GS-Luftfilter

Die Lackierung:

Großflächige Lackierung kam so gar nicht in Frage. Ein Foto aus dem Aprilia-Forum gab mir eine Steilvorlage.

 

TRON-Design nenne ich es

Großes Thema war natürlich von Anfang an die neu Radführung und Gabel.

Aus Spanien bekam ich die Empfehlung eine Gabel von einer KTM 950/990 Enduro zu besorgen.

Doch die war auch mit Geduld nicht zu finden und erschien mir auch nicht sehr Glanzvoll

Zufällig fand ich ein unwiderstehliches Angebot für eine Neue 2017er 48WP USD Gabel mit goldenem Innenleben von Öhlins.

OK die Feder und Abstimmung war natürlich viel zu weich und für eine 150kg Husky gedacht. Aber das konnte mein Fahrwerks Meister https://www.facebook.com/roberto.cattari mit den härtesten von Öhlins verfügbaren Federn anpassen. Ebenso das bereits vorhandene Öhlins Federbein, welches komplett neu aufgebaut und für mehr Traktion mit einer weicheren Feder ausgestattet wurde.

Kombiniert mit einer gefrästen KTM EXC Gabelbrücke mit 22mm Versatz (was noch nicht reicht) hatte ich meine neue Radführung zusammen.

 

Das Vorderrad stammt aus meiner KTM Adv. 640. Die Excelfelge war bereits mit einer 320er Bremsscheibe und verstärkten Speichen ausgestattet. Mussten nur noch die blauen Spokes rein und neue Radlager und Distanzbuchsen für die 20mm Steckachse der Gabel.

Glücklicherweise sind die Italiener nicht so ABS verrückt wie die Deutschen. Somit hatte meine GSX serienmäßig keinen Druckmodulator und unnütze Bremsschläuche und Verteiler die ich Offroad eh nicht brauche, hatte eine HP2 Enduro auch nicht ;-)

Die große 320er Scheibe in Kombination mit einem neuen 2K Brembosattel, Stahlflex und zu guter Letzt, meine bereits erprobtere 19mm Radial Magurabremspumpe, sollten für angepasste Verzögerung sorgen. Erste Probefahrten bestätigten mir dies bereits mit sehr feinfühligem Ansprechverhalten, viel Rückmeldung und sehr gutem Gefühl wann ein Blockieren erfolgen könnte…

Die größten Aufgaben waren damit nun erledigt.

Es folgten Ram-Mount Klappspiegel und großer Kardan EA-Schutz aus USA.

Heed Motorschutzbügel um den größten Schaden abzuhalten.

Selbstgebogene Motorschutzplatte aus 3mm Stahlblech.

Und zu Anfang natürlich ein Wechsel ALLER Flüssigkeiten inkl. Kupplung, Bremsbeläge und Kerzen.

Die Bleibatterie wird, wenn sie ihren Lebenszyklus erreicht hat, gegen eine Lithium-Ion Batterie getauscht.

 Für den Rallyelook habe ich kurzerhand einen tiefen Frontfender von der F800GS montiert. Welcher aber nach der 3ten Probefahrt sich quasi selber demontierte. Diese Kombi aus originaler Lenkgeometrie und großem 21 Zoll Vorderrad funktionieren aber nicht. Beim tiefen Eintauchen kratzt das hintere-untere Ende des Fenders und auch der Reifen am schwarzen Plastik Limadeckel.

 

Abhilfe wird 2019 eine eigens angefertigte Gabelbrücke mit noch größerem Versatz nach vorne ähnlich einer HP2 schaffen.

Der tiefe F800gs Fender hat nicht viel mehr Dreck abgehalten, da der Schlamm unterhalb des Fenderendes schon hoch geschleudert wird!

 

 

Die GSX ist nun fahrbereit und ca. 1000 KM wurden bereits Offroad getestet.