Offroad , Geländefahren

Das Fahren einer Enduro im Gelände benötigt noch einmal andere Kenntnisse und Fähigkeiten des Fahrers im Vergleich zum Fahren auf Asphalt. Aber auch diese Enduro Fahrtechniken sind leicht erlernbar. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass ein

Basic Endurotraining den reinen Strassenfahrer in punkto Handling, Gefühl fürs Bike und Sicherheit deutlich weiterbringt....auch wenn er sein Motorrad nie wieder im Gelände bewegen wird oder eine reine Strassenmaschine fährt. Denn hier werden Techniken vermittelt, welche nur seltenst bis gar nicht im Strassen-Sicherheitstraining oder der Fahrschule Anwendung finden. Daher ganz klare Empfehlung für jeden Biker - ein Endurotraining.

Und wenn es nur dem "über den Tellerrand schauen" dient :-)

 

In meiner Linksammlung habe ich ein paar Anbieter von Endurotrainings aufgeführt. Ebenso findet Ihr  in den Videos unter Events/Training einiges.

 

Wer, egal ob versierter Endurist oder Neuling in diesem Gebiet, die Saisonpause nutzen möchte um etwas in der Theorie zu schmökern, dem kann ich ebenfalls die folgenden Artikel empfehlen. Hier werden die Grundfahrtechniken des Geländefahrens so wie weitere Skills beschrieben - unter anderem von Dakar-Pilot Simon Pavey.

klicke hier: Brake-Magazine

Aber was ist für das Offroadfahren zu beachten??:

Wenn Du noch nie im Gelände gefahren bist, Dich aber für das Thema interessierst, solltest Du vor Deiner ersten Offroad-Erfahrung einige Dinge beachten:

- Trage immer geeignete Schutzkleidung....hierzu gehören

  • feste hohe Stiefel, müssen nicht zwingend Cross-Stiefel sein. Aber das Fussgelenk und Schienbein sollten stabil geschützt sein
  • rutschfeste Handschuhe
  • Helm
  • entsprechende Protektoren. Für den Schotterweg und leichtes Training genügt durchaus die reguläre Motorradschutzbekleidung mit Protektoren für Schulter, Rücken, Knie, Ellbogen und Hüfte. Solltest Du es wilder angehen wollen empfehle ich eine Protektorenweste die auch die Brust schützt. Hierüber kann dann entweder eine Jacke ohne Protektoren oder ein Jersey getragen werden. Auch ein Neckbrace (Kragen zum Schutz der HWS beim Sturz) ist hier empfehlenswert, da ein Abstieg im Gelände gerne mal eher im Salto als in einem Rutscher endet.
  • die Kleidung sollte der Witterung angepasst sein. Speziell an warmen Tagen. Man schwitzt und arbeitet mehr als man glaubt, selbst bei den normalen Handlingsübungen.....daher auch immer genügend Flüssigkeit zu Dir nehmen

- das Bike der Wahl sollte natürlich auch entsprechend tauglich sein:

  • egal ob Du eine leichte 250 Cross, ein 220kg schweres Dickschiff wie eine GS oder große KTM  fährst, alles ist abseits der Strassen in  Rahmen der entsprechenden Möglichkeiten machbar. 
  • für Schotterwege, normalen dreckigen Boden ist bei trockenem Wetter ein Mischreifen wie der Tourance ausreichend.
  • wird es im Gelände feucht, langt die Traktion eines normalen Reifens schnell nicht mehr aus und es muss gröberes Profil her. Hier gibt es wiederum viele diverse Reifentypen wie den TKC80 (Continental), Karoo 3 (Metzeler), Mefo Explorer 2 (Mefo) etc....da muss man einfach schauen welchen Reifen man fahren darf, welcher preislich zusagt und einem gefällt. Auch hier fährt sich je nach Motorrad ein anderer Reifen wieder anders. Speziell wenn es mit dem Offroader auf die Strasse geht. Die Haltbarkeit (Laufleistung) ist bei einem Stollenreifen ist im Vergleich zum Asphaltgummi jedoch deutlich reduziert.
  • schraube unnötige Teile, welche bei einem Sturz oder Umkipper leicht zu Bruch gehen könnten vor der Geländefahrt ab (wie z.B. Spiegel, Windschild). Als Anfänger solltest Du jedoch damit rechnen ab und zu ein Teil reparieren oder neu kaufen zu müssen. Hat man aber Spaß am Offroaden gefunden nimmt man dies gern in Kauf.
  • je nach Untergrund ist es wichtig den Reifendruck zu senken. Der Reifen passt sich so besser den Unebenheiten an, hat mehr Grip und verschlammtes Profil reinigt sich wieder leichter von selbst. Allerdings nicht vergessen den Druck wieder anzupassen wenn man wieder den Asphalt befahren und im Strassenverkehr teilnehmen will.

- wo kann und darf ich Offroad fahren?

  • es gibt eine Menge Motocrossstrecken und Offroadparks in Deutschland. Die meisten gehören Motocross-Vereinen. Je nach Satzung ist hier auch freies Fahren an bestimten Tagen erlaubt. Die Strecken unterscheiden sich aber alle, je nachdem was hier im Verein gefahren wird.
  • Viele Veranstalter aber auch Vereine bieten Trainings für Enduros, auch speziell für Dickschiffe an. (Linksammlung)
  • das Befahren von Feld- und Waldwegen ist leider in Deutschland nicht mehr so ohne Weiteres möglich. Ohne das Einverständnis des Grundstückeigentümers fällt es schwer hier noch etwas legales aufzutreiben. Die Regeln können auch von Bundesland zu Bundesland oder sogar kommunal unterschiedlich sein...hier bitte vorher unbedingt einlesen und gründlich recherchieren um Bußgelder zu vermeiden.
  • Solltet ihr Euch mal auf Feld- oder Waldwegen bewegen, denkt bitte immer im Interesse aller Enduristen daran, unser Ansehen zu wahren statt zu schädigen. Nur durch besonnenes und rücksichtsvolles Fahren, Achtung des Naturschutzes, Respekt vor Mensch und Tier können wir die noch teilweise vorhandene Toleranz aufrecht erhalten, welche dieses schöne Hobby noch durchführbar macht.  Knatternde Motocrosser welche sich ihre eigenen Wege stinkend lärmend quer Feld ein fräsen braucht kein Mensch....
  • auch das nahe Ausland bietet eine Menge toller Events und Strecken an....hier einfach mal das www bemühen und was passenden finden.

Fahrtechniken

Ob man sich jetzt im Gelände sitzend oder stehend bewegt, bleibt am Ende persönliche Geschmacksache. "Stehend sei die beste Variante" liest man immer wieder. Auch ich persönlich manövriere meine Dicke sicherer stehend im Gelände. Allerdings gibt es dann auch wieder Enduristen wie Alexander Metayer von roadbooktouren, der sich sitzend in und durch das Finale der BMW GS Trophy 2011 fuhr und mit Team Deutschland auf der internationalen BMW GS Trophy 2012 in Südamerika den grandiosen Platz 1 belegte. Geht alles :-)

Ich will Euch hier jedoch weder ein Enduro-Training am Bildschirm geben, noch zu sehr ins Detail gehen.

Dies solltet ihr dann selbst im aktiven Training mit den Instruktoren praktizieren. Aber um Euch ein wenig darauf vorzubereiten, auf den Geschmack zu bringen oder ein paar Punkte nach einer Offroad-Pause wieder ins Gedächtnis zu rufen - dazu soll  der nachfolgende Text dienen....

 

 

- Beginnen wir damit, die Enduro auf den Hauptständer aufzubocken bzw. es von jemandem in der aufrechten Position halten zu lassen, um erst einmal alle nötigen Einstellungen vorzunehmen. Ein sicherer aber unverkrampfter Stand auf der Fußraste, die Knie leicht gebeugt um federn zu können. Verweile erst ein paar Minuten auf dem stehenden Motorrad und fühle Dich in Dein Motorrad hinein!!!

- Ihr solltet nun mit dem Ballen bis maximal Fußmitte auf der Raste stehen, gut an den Fußbremshebel gelangen ohne Euer Fußgelenk zu sehr beugen zu müssen.

- Gleiches gilt für den Schalthebel.

- Lenkerarmaturen werden so eingestellt, dass der Winkel im Handgelenk möglichst verschwindet und der Handrücken eine schöne Verlängerung vom Unterarm bildet. Habt ihr verstellbare Hebel, diese so einstellen, dass ihr immer mit 2 Fingern direkt dran kommt.

! 2 Finger bleiben beim Fahren eigentlich immer an der Kupplung um sofort im Notfall Trennen zu können....!

- Fahrwerk und Reifendruck passen auch wie oben beschrieben? Na dann hätten wir die "basics" ja erstmal und fahren mal ein paar Meter....

 

- Lenkimpulse erfolgen im Gelände vornehmlich über den Druck auf die Fußrasten statt über den Lenker.

- Der Lenker selbst bleibt sicher aber locker in der Hand damit das Vorderrad sich auf Unebenheiten selbst den passenden Weg suchen kann.   Dies wird vor allem im tiefem Sand, Schotter oder sehr losem Untergrund interessant und wichtig. 

- Blickführung: Automatisch fahren wir immer nur dahin, wohin wir schauen...Blickführung ist das A&O.....wie beim Strassentraining in den Ausweichübungen. Nicht das Hindernis anschauen sondern den  geplanten Weg. Speziell wenn man schwierige Passagen zu meistern hat wie lange Auffahrten empfiehlt sich der Blick weg von der Piste vorm Reifen nach oben hin zur Kuppe um diese auch sicher zu erreichen.

Falsche Blickführung führt zu folgendem Fehler, wie ich selbst feststellen musste  :-)

- steil bergauf: langsam Anfahren, im Kompressionspunkt beschleunigen und Gas bis unmittelbar vor die Kuppe halten, Körperschwerpunkt leicht vor. Geht es sofort nach der Kuppe ums Eck, dann den Lenkimpuls mit Rastendruck und sofortiger Blickführung einleiten.

- steil bergab: Kuppe vorsichtig und langsam anfahren, Po und Schwerpunkt nach hinten verlagern, mit schleifender Kupplung und betätigter Bremse über die Kuppe fahren, im bergab-Stück Motorbremse nutzen (nicht kuppeln) und ggf mit fein dosierter Bremse unterstützen falls es zu schnell wird.

- Halten im Hang: wenn im Hang gedreht oder gehalten werden muss, Motor abwürgen, Kupplung loslassen und nur Fußbremse nutzen. Vorderradbremse führt nur zum bergab rutschen statt zum Stop. Ein Fuß auf der Bremse, der andere stützt und das Bike steht nun erstmal safe. Jetzt für eine Seite zum umdrehen entscheiden, bevorzugt nach rechts weg und linker Fuß bleibt der Fuß am Hang zum Stützen. So kann der rechte Fuß auf der Bremse bleiben. Nun den Lenker einschlagen und das Motorrad durch dezentes ziehen der Kupplung ein Stück rumkommen lassen. Anhalten wieder durch einkuppeln. Ab hier kann man den Rest bis zur Nase-bergab-Position eigentlich komplett durch hin-und her drehen des Lenker bewegen. Der Vorderreifen arbeitet sich so kontrolliert in die tiefe bergab Position bis man eine für sich komfortable Stellung zum wieder anfahren gen Tal gefunden hat. (auch im Video unter Events / Training zu sehen)

- Fahrten durch enge Rinnen: genügend Platz lassen um sich rechtzeitig ausrichten zu können. Langsam anfahren, kurz die Einfahrt der Rinne anvisieren und spätestens bei Einfahrt einen Punkt weit entfernt in der Flucht geradeaus suchen und anpeilen. Lenker locker führen damit sich der Vorderreifen selbst den Weg suchen kann und Lenkimpulse bzw. Balance nur über die Rasten herstellen. Ansonsten blockiert der Vorderreifen direkt an der Wand der Rinne.

- Wasserdurchfahrt: unbekannte Gewässer zunächst zu Fuß nach geeigneter Durchfahrt und Tiefe ausloten. Es sollte eine möglichst geradlinige Durchfahrtsstrecke gewählt werden, ohne Kurven fahren zu müssen. Anschließend auch hier wieder die Einfahrt anvisieren, langsam aber konstantes Gas und dieses dann auch halten, Gewicht leicht zurück, Lenker lose führen, Ausfahrt anvisieren und das Motorrad sich selbst durchziehen lassen.

- tiefer Sand/Kies/Schotter: in diesem führungslosen Untergrund muss man sich das Motorrad wieder selbst den Weg suchen lassen, nur minimal durch Rastendruck die Richtung beihalten falls es zu sehr ins Abseits läuft. Kontinuierliches Gas ist essentiell, denn geht man vom Gas gräbt sich der Vorderreifen ein. Gewicht zurück, Lenker locker und die allzeit beliebte Blickführung kommen auch hier mehr als deutlich zum tragen.

-Bremsen: die Vorderradbremse sollte auf losem oder lockerem Untergrund nur bedingt und vorsichtig eingesetzt werden. Ein herzhaftes zugreifen wie auf Asphalt kann hier anders enden. Der Reifen blockiert schneller und verliert somit sehr schnell seine Stabilität und der Lenker schlägt ein. Hinterrad- und Motorbremse werden Offroad mehr genutzt. Ob mit ABS oder ohne hängt wieder ein wenig vom Können, den Vorlieben und dem Tempo ab.

 

Dies waren hier nur einige wenige Punkte des Offroad-Fahrens. Für den Fortgeschrittenen auch keine Neuigkeiten. Auf jeden Fall solltet  Ihr ein Endurotraining besuchen und Euch selbst davon überzeugen, welchen Spaß man sogar mit einem Dickschiff abseits der befestigten Wege haben kann....

 

update: 08.08.17

 

  • EnduroBoxer Tour Midnight Summer 2017, ich war dabei
  • Fahrsicherheitstraining mit der Polizei und der Motorradstreife
  • weitere Touren als gpx und roadbook im Downloadbereich (neu), Denzel 1-300
  • Fahren im Ausland, was ist anders (unter Nützliches)
  • Saisonstart, Tips zumausmotten
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